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Der Holzgasvergaser

 

Eine Erfindung, die wie zahlreiche andere auch, ihren Ursprung dem Harzer Bergbau zu verdanken hatte, sollte zum „Endsieg“ des NS-Regimes beitragen. Der Holzgasgenerator sollte die Lösung sein, die trotz erdrückendem Treibstoffmangel die Mobilität aufrechterhalten sollte. Den Gasentwicklungsofen als solchen hatte Carl Bischof bereits im Jahr 1839 erfunden, wo er in der Eisenhütte Mägdesprung bei Harzgerode als Hüttenmeister und Bergrat tätig war. Er hatte einen Ofen konstruiert und gebaut, mit dem aus Torf ein Heizgas erzeugt wurde, mit dem sich Hochöfen betreiben ließen. Diese Erfindung revolutionierte die Ofen- und Hüttentechnologie, führte sie doch zur Einführung des Stahlgusses und kann somit als eine Schlüsseltechnologie der Industriellen Revolution angesehen werden. Das gesamte Verfahren basierte allerdings auf Kohle, so wie zuvor, seit Beginn der Verhüttung, Kohle der Energieträger war. Zuvor war es Holzkohle, die in unmittelbarer Nähe zu den Bergwerken im Harz in Meilern hergestellt wurde.

Die Holzkohle ließ sich sehr schwer transportieren, da sie sehr empfindlich auf Erschütterungen aller Art reagierte und schnell zu Staub zerfiel. Auch das gewonnene Erz ließ sich nicht wirtschaftlich transportieren, es waren große Volumeneinheiten mit nur geringem Erzanteil. So war es vor der Erfindung des Kohlevergasers die Regel, dass Bergbau und Verhüttung räumlich dicht beieinander lagen. Diese Konstellation ist heute besonders für die Montanarchäologie von großer Bedeutung, kann diese doch dadurch oft eine exakte zeitliche Zuordnung alter Berg- und Hüttentechnik vornehmen. Erst mit der Erfindung des Kokses zu Beginn des 18. Jahrhunderts begann sich eine diesbezügliche Trennung abzuzeichnen und die Verhüttung siedelte sich dort an, wo Braun- und Steinkohle abgebaut wurden. Bei der Kokserzeugung entstehen brennbare Pyrolysegase. Bald erkannte man Bedeutung und Nutzen dieses Abfallproduktes. Zuerst wurde es als „Leuchtgas“ eingesetzt und die Imperial-Continental-Gas-Association beleuchtete als erste europäische Stadt im Jahr 1825 Hannover mit frühen Gaslampen. Etwa zeitgleich erkannte man aber auch die Bedeutung des Gases für Heizzwecke und gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch als Kraft- oder Antriebsgas. Die Erkenntnis, dass die Gaserzeugung durch die Komponente Sauerstoff steuerbar ist, brachte einen weiteren technologischen Schub. Die technologische Krone der Gasmotorentechnik setze sich dann 1878 der deutsche Ingenieur und Erfinder Nicolaus Otto mit seinem Ottomotor auf. Mit Gas, welches für den Betrieb eines Gas-Verbrennungsmotors benötigt wird, ist ein Fahrzeug allerdings schwer zu betanken. Flüssiger Kraftstoff, in Form von Öl und Benzin, das bequem in Tanks mitgeführt werden konnte, war da mehr als eine Alternative. Aber Deutschland hatte kaum eigene Ölvorkommen und schon im Ersten Weltkrieg erkannte man die Abhängigkeit vom Ausland und suchte nach Alternativen.

Der 1884 in Lothringen geborene Georges Imbert hatte Chemie studiert und betrieb eine Seifenfabrik. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde seine Heimat Lothringen Frankreich zugeschlagen. Auch die Franzosen hatten in diesem Krieg ihre „Ölabhängigkeit“ erkannt und suchten nach neuen Lösungsansätzen. Der Chemiker Imbert wurde vom französischen Militär beauftragt, einen Gasgenerator zu entwickeln, in dem Holz vergast werden konnte, denn das gab es reichlich überall in Europa. Dann baute er seine ersten Gasgeneratoren im Auftrag eines französischen Industriellen. Dieser verkaufte aber schon nach kurzer Zeit die Patente und Imbert gründete eine eigene Firma, um seine Gasgeneratoren herzustellen. Erfunden war der Gasgenerator zwar bereits, aber Imbert implantierte zahlreiche technische Neuerungen, die auch patentierungsfähig waren. Auf den ersten Blick erscheint dem Betrachter solch ein Holzgasgenerator recht unspektakulär, besonders im Vergleich zu einem modernen Automobil, einem Computer oder Handy. Aber wie so oft täuscht auch hier der erste Eindruck! Holz ist ein äußerst komplexer Naturstoff, ein hochmolekulares Stoffgemisch, das nie die gleiche chemische Zusammensetzung aufweist. Bei der Vergasung finden zahlreiche chemische Reaktionen gleichzeitig statt, die alle gesteuert werden müssen, damit am Ende der Motor läuft. Georges Imbert hatte ein nahezu perfektes Gerät entwickelt und gebaut das alle diese Prozesse beherrschte. Seine besondere Leistung ist wohl darin zu sehen, dass sein Holzgasgenerator kein Spezialgerät war, beispielsweise für abgelagertes Buchenholz, sondern ein für diesen Energieträger universell einsetzbares Gerät.

Unproblematisch war diese Erfindung aber trotzdem nicht. Bereits damals war die Motorentechnik auf Flüssigbrennstoffe umgestellt. Außerdem hat Holzgas einen erheblich geringeren Brennwert als andere gängige Brenngase, so dass auch eine Erhöhung der Motorverdichtung erforderlich wurde. Da stoßen wir auf einen weiteren Widerspruch, denn nicht jeder Techniker oder Ingenieur ist auch automatisch ein Erfinder. Viele dieser Leute entwickeln sich zu Spezialisten mit einem ausgeprägten Spezialwissen. Das wiederum bringt im Laufe der Zeit einen gewissen Tunnelblick mit sich. Man nimmt dann nicht mehr wirklich wahr, was sich rechts und links tut, teilweise verzichtet man auch wohlwollend darauf. Für die meisten Ingenieure haben ausgediente Techniken und Technologien nur noch Platz in technischen Museen. Solche „Comebacks“ haben in Konstruktions- und Entwicklungsabteilungen keinen Platz. Diese Vorurteile und Vorbehalte kennen Erfinder dagegen nicht, sie sind einfach unvoreingenommen und das macht sie so anders, so besonders. Sie kennen keine Tabus, da bei ihnen nur die Problemlösung als solche zählt und sie auch schon mal unkonventionell „um die Ecke denken“. 

Opel Admiral - Gezeichnet von Lisa Berg

Aber die Automobilhersteller mussten sich der Situation anpassen, denn Imbert verkaufte seine Holzgasgeneratoren gut. Was kein Wunder war, denn ...

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