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Zahlen und Statistik

 
Auf keinen Fall möchte ich Deutschland schlechter reden als es ist. Nach wie vor, wie eh und je, zählt unser Land zu den erfindungsreichsten aller Industrienationen. Auch unsere Innovationskraft, das heißt, die Umsetzung von Erfindungen zu erfolgreichen Produkten und Verfahren, ist absolute Weltspitze. Laut OECD sind wir, was die Anzahl von Weltmarktpatenten pro Million Einwohner betrifft, international auf Platz fünf. Aber wir sollten uns keinesfalls auf diesen Lorbeeren ausruhen. Die globale Wettbewerbssituation verändert sich jeden Tag und das zu Ungunsten der etablierten Industrienationen der westlichen Welt.

Technologieprodukte herstellen können heute sehr viele Länder, allen voran die asiatischen. Besonders augenscheinlich ist die Situation bei Heimelektronik, Computertechnik, Fototechnik und auch bei Automobilen. Neuerdings haben wir diese Konkurrenz sogar schon bei Solar- und Fotovoltaik-Technik. Auch was die Ausbildung dieser so genannten Schwellenländer angeht, ist ein unübersehbarer Aufholprozess in Gange. Allerdings besitzen diese Länder noch nicht unsere Kreativität und unseren Erfindungsreichtum und das ist unsere große Chance für die Zukunft, wir müssen sie nur nutzen. Leider kommen wir aber kaum vom Fleck! Natürlich sind nicht nur Patente für die Innovationsfähigkeit einer Volkswirtschaft aussagefähig, sondern auch technisches Knowhow. Das aber gewinnt man nur durch entsprechende FuE-Aktivitäten und diese kosten Geld, viel Geld. Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung war Deutschland in den 1980er Jahren noch weltweit führend, so die OECD.

Seitdem haben unsere Investitionen in FuE, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, kaum die 2,5 Prozent überschritten. Noch in den 1990er Jahren war Deutschland in der Spitzengruppe, aber andere Nationen haben kräftig zugelegt und uns abgehängt. Die USA und Japan sind uns voraus, es folgen Finnland, Schweden und Korea und mittlerweile geben auch die Schweiz und Österreich über 3 Prozent ihres BIP für FuE aus.

Ob sich die statistische Anzahl an Patentanmeldungen in Deutschland zwischen der Zeit des Wirtschaftswunders und heute verändert hat, vermag ich nicht zu sagen. Nach Angaben des Deutschen Patent- und Markenamtes ist die Anzahl pro Jahr aber in den letzten zehn Jahren in etwa gleich geblieben und bewegt sich um die 60.000. Allerdings sagen uns die Statistiken auch, dass es bei der Anzahl der Patente ein mächtiges Nord-Süd-Gefälle gibt. Die allseits bekannte Tüftlerregion Baden-Württemberg läuft dabei allen anderen Bundesländern den Rang ab (2010/14.813 Anmeldungen), gefolgt von Bayern (2010/12.969). Schon das einwohnerstärkste Bundesland NRW ist mit 7.506, wie auch Hessen mit 2.411 und Niedersachsen mit 2.940 Anmeldungen, weit abgeschlagen. Gravierend sind die Defizite, mit der Ausnahme von Sachsen (2010/1.136), allerdings in den neuen Bundesländern: Thüringen 546, Sachsen-Anhalt 312, Brandenburg 301 und Mecklenburg-Vorpommern sogar nur 155 Patentanmeldungen. Unsere Politik hat zwar den Begriff „Benchmarking“ fest in ihrem Vokabular integriert, selbst anwenden und von den Besten lernen tut sie aber leider nicht.

Denn bei der so genannten Innovationskraft, das heißt: bei der Umsetzung von Erfindungen zu erfolgreichen Produkten und Verfahren sind wir zwar auch noch wirklich gut, aber nicht mehr Weltspitze. Da herrscht ein deutlich raueres Klima für die deutschen Erfinder, wie das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln analysierte. Die Begründung in dieser entscheidenden Disziplin wird auch gleich mitgeliefert: Es sind vor allem die schwierigen Rahmenbedingungen für Unternehmensgründer und kleine Unternehmen. Wie erfolgreich ein Land in diesem Innovationsprozess ist, hängt nicht nur vom Forschungsaufwand ab. Entscheidend dabei ist unter anderem auch, ob der Staat innovationsfördernde Rahmenbedingungen setzt und ganz wichtig: Ob die Finanzmärkte genügend Risikokapital zur Verfügung stellen.

Das IW hat viele relevante Faktoren von 16 Industrieländern zusammen getragen und zu einer Innovations-benchmark verdichtet, die das Jahr 2004 widerspiegeln. Deutschland belegt dabei einen mäßigen 11. Platz und erntet nicht allzu viele Lorbeeren. Auf der abgebildeten Skala erreichen wir einen Wert von 42 Punkten, bei 100 möglichen. Ein besonders gutes Erfinderklima herrscht in den USA, die 78 Punkte erhielten sowie in Großbritannien und den nordeuropäischen Ländern. Dieses wenig erfreuliche Ergebnis sollte in Deutschland nicht als Lappalie abgetan werden. Ökonomen sind sich einig darüber, dass Innovationskraft die gesamte Volkswirtschaft ankurbelt und dadurch für nachhaltiges Wirtschaftswachstum sorgt. Wobei sich auch hier die dialektische Frage stellt: Kann die Wirtschaft ewig wachsen? Oder sollten wir etwas mehr Demut zeigen und auch mit Stagnation oder leichtem „negativen Wachstum“ auf hohem Niveau in Zufriedenheit leben können?

Viele der einzelnen Indikatoren dieser Benchmark-Studie habe ich bereits in anderen Kapiteln erläutert oder angeschnitten: Forschungsaufwand, Fördermittel, Informationsinfrastruktur usw.. Exemplarisch wurde in dieser Studie auch herausgestellt, dass Erfindungen und innovative Ideen häufig in neugegründeten Unternehmen realisiert werden, diese haben im Vergleich zur inter-nationalen Konkurrenz in Deutschland besonders schlechte Karten. Getrübt wird in unserem Land das Erfinder- und Innovationsklima aber auch durch die weit verbreitete Risikoscheu – wie eine Eurobarometer-Umfrage belegt. Mit 61 Prozent meinten die Bundesbürger 2004 im internationalen Vergleich am häufigsten: man solle kein Unternehmen gründen, wenn die Gefahr eines Scheiterns bestünde – die besteht aber sicherlich bei jeder Gründung.

Diese Einstellung spiegelt sich auch in der Bereitstellung des für Erfindungen und Innovationen notwendigen Risikokapitals wieder. Wohl zusammen mit den Rahmenbedingungen der entscheidendste Faktor, denn wie sagt schon ein altes Sprichwort: „Ohne Moos nichts los!“ Dieses Geld stand 2003 aber nur in Höhe von 0,02 Prozent des BIP zur Verfügung. Viel zu wenig – in den USA belief sich das Venture Capital dagegen auf 0,17 Prozent der Wirtschaftsleistung und in Großbritannien waren es sogar 0,22 Prozent, also das Zehnfache des deutschen Wertes.

Und dann ist da auch noch die fehlende Anerkennung für Erfinder, das „in eine Ecke stellen mit einem Daniel Düsentrieb“, das Erfindern nicht unbedingt Mut macht. Und wenn sich dann Erfolge einstellen beginnt auch schon die „Neid- und Verteilungsdebatte“.

 

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